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Roland Gutsch

Nimmer. Lizas Liebe

336 Seiten, Festeinband
ISBN 978-3-940101-16-7

19,50 € *
 
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Ein blutiger Anfänger. Diese Phrase ist beinahe wörtlich zu nehmen für Robert Zimmermann, der an seinem ersten Tag als Volontär einer Regionalzeitung mit einem ebenso grausamen wie rätselhaften Verbrechen konfrontiert wird. Der eigenbrötlerische Kuhwirt Arno Nimmer und der honorige Dorfarchitekt Kaspar von Berg, beide Rentenbezieher, metzelten einander offenbar zu Tode. Täter und Opfer – nicht zu unterscheiden. Ein abseitiges Gehöft im Niemandsland zwischen Mecklenburg und Uckermark, „eine von Pech verfolgte, eigens für Pech geschaffene Provinz“, gerät kurz in den Fokus großer Medien – und wieder in Vergessenheit. Roberts Artikel erhält von der Chefin der Lokalredaktion die einzig mögliche Bewertung: Druckuntauglich.

 

Mit dieser „Aufscheuchung“ startet der neue Roman von Roland Gutsch.

Nach seinem Debüt-Roman „Die verkaufte Bibliothek“ (1999) und dem mit dem Annalise-Wagner-Preis gewürdigten Erzählband „Zweieinhalb Tage“ (2004) legt der Neubrandenburger sein bisher größtes Prosa-Werk vor und erweist sich als noch geschickterer Unterhalter. Ein doppelter Mordfall und eine außergewöhnliche Liebesaffäre verquicken auf eigentümliche Weise.

 

Robert fühlt sich an den Tatort, in das Vorwerk, zurückgewünscht und nimmt Quartier für einen Herbst.  Zudem zieht ihn eine geheimnisvolle Schönheit, Liza, Pflegerin der Nimmer-Schwester, in den Bann. Eine prekäre Wohngemeinschaft entsteht, inklusive Haushuhn und Kampfkrähen. Doch die Liebe Lizas ist an eine Bedingung geknüpft: Aus den Einflüsterungen der Caprice hat Robert eine Story um das meuchelnde Altherrenpaar zu erfinden. Und das Erzählexperiment wächst sich zu einem in die Irre führenden Psychospiel aus, viele Münder zischeln Robert nun Halbwissen zu. Es erweist sich, dass der Entsetzenstat ein Drama in den letzten Tagen des Krieges vorausging.

 

Dieses berührende, gleichermaßen komische wie traurige Buch ist eine Fundgrube an Geschichten und originären Gestalten. Provinz brilliert mit Absonderlichkeiten und wird doch nicht auf die Posse beschränkt. Es darf launig zugehen, nie folkloristisch und harmlos. Gutsch, Beobachter und Bajazzo, spielt seine Stärke aus, eine Sprache mit Bandbreite. Der Autor wagt die Konstruktion Roman im Roman und geht unaufdringlich der spannenden Frage nach: Über welche (Um)-Wege gelangt das Gestern ins Heute?

 

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