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Die NVA und Volksmarine in den Vereinten Streitkräften
 
 
Fritz Minow

Die NVA und Volksmarine in den Vereinten Streitkräften

Geheimnisse der Warschauer Vertragsorganisation

472 Seiten, 145 Abbildungen, Broschur
ISBN 978-3-942477-07-9

19,95 € *
 
 
 
 
 

Die Warschauer Vertragsorganisation galt in ihren Mitgliedsländern bis zum Zusammenbruch des Sozialismus in Europa als Bündnis gleichgestellter wie souveräner Staaten – offiziell. Dr. Fritz Minow, Berufsoffizier a.D. und Autor, wertete tausende Dokumente aus, darunter einst geheimstes Aktenmaterial in verschiedenen Sprachen, analysierte Militärliteratur und interviewte Zeitzeugen.
Entstanden ist das Abbild eines Militärbündnisses, dessen Einheit von seiner Gründung im Jahr 1955 bis zum Zusammenbruch 1991 nie über die internen Auseinandersetzungen um nationale Interessen, Einflusssphären und Eigendarstellung hinwegtäuschen konnte. Diffizil war die Situation bis zum letzten Tag vor allem für ein Mitglied – die DDR.

 

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Quelle: ÖMZ - Österreichische Militärische Zeitschrift | 06/2012 | J. Alex-Hiron
DIE NVA UND VOLKSMARINE IN DEN VEREINTEN STREITKRÄFTEN GEHEIMNISSE DER WARSCHAUER VERTRAGSORGANISATION
Mit der Gründung der Warschauer PaktOrganisation wurde ein Bündnis von nominell gleichberechtigten Staaten in Europa geschaffen, das als Gegengewicht zur NATO dienen sollte. Auch wenn es auf dem Papier so aussah, dass alle Mitgliedstaaten gleichberechtigte Partner waren, zeigten die Sitzungen der einzelnen politischen und militärischen Gremien schon sehr bald, dass der „Große Bruder“ Sowjetunion das Ruder nicht aus der Hand gab und auch die anderen Mitglieder ihre einzelnen Interessen durchsetzen wollten. Insgesamt gesehen galt die DDR als verlässlichster Partner der UdSSR, dieses Buch zeigt aber auf, welchen Stellenwert wirklich die DDR einnehmen konnte, welche Vorschläge in die einzelnen Organe eingebracht wurden und mit welchen Ergebnissen sie sich manchmal begnügen musste. In einer akribischen Darstellung zeigt der Autor die einzelnen Etappen und Entwicklungen dieser Organisation und der einzelnen Organe. Er zeichnet die Entwicklung der NVA und der Volksmarine im System der Vereinten Streitkräfte, die Einbindung der einzelnen Elemente in die länderübergreifenden Diensthabenden Systeme und die Planungen in den einzelnen Teilbereichen - von der Luftverteidigung bis hin zu den Rückwärtigen Diensten. Das Gesamtbild dieses überaus interessanten Buches wird abgerundet durch die Anfiihrung verschiedener Originaldokumente (auch interessanterweise in russischer Sprache), einer Aufstellung der Manöver der Vereinten Streitkräfte sowie vielen Fotos, die während verschiedener Übungen und Veranstaltungen entstanden sind. Somit ergibt sich ein prächtiger Bogen an Informationen, die dem Leser noch tiefere Einblicke in den Alltag der WAPA, deren Planungen und Perspektiven gewähren lassen. Dieses Buch ist ein fesselndes Zeitdokument, das in großer Detailtiefe die Entwicklung der NVA und Kriegsmarine darstellt - äußerst interessant und empfehlenswert.

Quelle: WeltTrends 02-2012 | Walter Hundt, Verband für Internationale Politik und Völkerrecht e.V., Fichtenwalde
Minow, Fritz: Die NVA und Volksmarine in den Vereinten Streitkräften.
Der Autor, Kapitän zur See a.D. der Volksmarine der NVA der DDR, war 40 Jahre im Flotten- und Stabsdienst, davon sechs Jahre im Stab der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrags in Moskau, tätig. Insider wie er merkten bald, dass hinter dem "unverbrüchlichen und brüderlichen politisch-militärischen Bündnis der europäischen sozialistischen Staaten" zwischen der Gründung 1955 und seinem Ende 1991 von Anfang an auch Meinungsverschiedenheiten, Auseinandersetzungen und Interessenwidersprüche zwischen den einzelnen Staaten bestanden, über die aber kaum gesprochen wurde. Das Verhältnis UdSSR-DDR bezeichnet Minow als diffizil. Die Kombination von persönlichem Erleben und eigenen Erfahrungen mit umfangreichen Archivstudien, darunter diverse politisch-militärische Geheimdokumente, führten zum vorliegenden Band, dem ein Dokumenten-Anhang, ein Quellen-und Literatur-Verzeichnis, ein Personen-Register, ein Abkürzungs-Verzeichnis und zahlreiche Fotos beigefügt sind. Dem Autor ist eine uneingeschränkt beispiellose Akribie bei der Behandlung der gewählten Komplexe zu bescheinigen, die in den sieben in historischer Abfolge (jeweils 1955-1991) aufgebauten Hauptkapiteln analysiert werden jeweils Beratungen, Dokumentenaustausch, Beschlüsse, Wertungen). Eingangs geht es um die Gründung der Warschauer-Vertrags-Organisation mit ihren verschiedenen Gremien und Institutionen im Mai 1955 durch die acht europäischen sozialistischen Staaten bei Teilnahme Chinas als Beobachter, das neben der Mongolei, Vietnam und Nord-Korea auch in der Folgezeit mit diesem Status teilnahm. Hinter dem scheinbar festgefügten Bündnis wurden recht bald scharfe Widersprüche unterschiedlicher Couleur sichtbar. In den 10 Jahren unter Chruschtschow kam es kaum zu nennenswerten Aktivitäten, selbst die Formierung des Stabes wurde ewig hinausgeschoben. An der Arbeitsweise der Gremien wurde -abgesehen von den politisch bedingten bekannten rumänischen Nörgeleien-mehrfach Kritik geübt. Die DDR ergriff mehrere Initiativen zur Verbesserung der Führungsarbeit und der (von der sowjetischen Führung bestimmten) Funktionsweise der Organe. Nach und nach wurden von sowjetischer Seite sich immer mehr verschärfende Forderungen an die militärischen personellen und materiellen Anstrengungen und Aufwendungen der Mitgliedsländer erhoben, so dass der polnische Präsident Jaruzelski mehr Realismus der Konzeptionen und Pläne einschließlich der Planung der Übungen forderte. Die UdSSR versuchte z.B. jahrelang, die DDR zu zwingen, U-Boote zu bauen. Minow schildert aber auch die beachtenswerten Leistungen, die in den mehr als drei Jahrzehnten gemeinsam vollbracht wurden. Eine Hilfe für die NVA war der Einsatz von mehr als 500 sowjetischen Beratern und Militärspezialisten. Ein wichtiges Feld war die militärisch-wirtschaftliche Zusammenarbeit im Pakt, die über den RGW bearbeitet wurde ((zwischenstaatliche Spezialisierung, Lizenzaustausch, gegenseitige technische Hilfe). Es entstand eine neue Ständige Kommission für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigungsindustrie mit Sektionen. Im DDR-Verteidigungsministerium wurde die Funktion eines Chefs für Wirtschaft mit einer Abt. Forschung und Entwicklung geschaffen sowie entsprechende hochrangige Planstellen beim Vorsitzenden des Ministerrats und bei der Staatlichen Plankommission. Der Großteil der wichtigsten Fragen, darunter die der Führung der Vereinten Streitkräfte im Kriege, waren im Prinzip - zumindest in den ersten Perioden der Entwicklung - eine Domäne des sowjetischen Generalstabs (Minow). Die Hauptrichtungen der geplanten Entwicklung der Streitkräfte des Paktes wurden bearbeitet und entschieden im sowjetischen Generalstab, bestätigt im KPdSU-Politbüro, festgelegt hinsichtlich der Bewaffnung und Ausrüstung im Ministerrat der UdSSR, und die sogenannte Verplanung geschah in der sowjetischen Staatlichen Plankommission. Die Ausarbeitung der Bestimmungen des Statuts über das Vereinte Kommando und die Vereinten Streitkräfte wurde "großzügig", aber autoritär im sowjetischen Oberkommando gehandhabt. Schwierigkeiten gab es bei der proportionalen Dienstpostenbesetzung. Sehr lange ungeklärt war die Frage, wer wie die Vereinten Streitkräfte im Kriegsfall führen sollte. Im sowjetischen Militärestablishment gab es ein langwieriges Gerangel diesbezüglich. Die "Wahl" fiel schließlich auf Marschall der Sowjetunion Leonid Breshnew! Die von Erich Honecker geforderte Umbenennung des Hauptstabes der NVA in Generalstab -wie in den anderen Mitgliedländern -wurde von sowjetischer Seite abgewiesen. Komplizierte Maßnahmen bestanden für die DDR darin, die Entwicklung der NV Azur Koalitionsarmee voranzutreiben. Dies schloss Schritte zur Raketenbewaffnung der Land-, Luft-und Seestreitkräfte und die Ausbildung zum Handeln unter Bedingungen eines Raketen-Kernwaffen-Krieges ein, wobei für die NVA entsprechend einer Geheimen Kommandosache sogenannte "spezielle Sprengladungen" als Gefechtsköpfe auf dem Territorium der UdSSR gelagert wurden (!).
Besonders schwierig wurde die Auswahl der Kader für die speziellen Raketeneinheiten. Von 11000 vorgesehenen Offizieren wurden 1100 dem MfS zur Überprüfung (einschließlich der Familien) vorgeschlagen, von denen 431 bestätigt wurden! Was die Wahrscheinlichkeit eines atomar ausgelösten Krieges betraf, ging die sowjetische Auslandsaufklärung Anfang der achtziger Jahre vom unmittelbar bevorstehenden Ausbruch des 3. Weltkriegs aus, während die DDR-Aufklärung von ihrem Spitzenmann "Topas" im BND die Information erhielt "Eine unmittelbare Kriegsgefahr deutet sich nicht an." Als kritikwürdig bezeichnete die NVA-Seite die Nichteinhaltung der Liefertermine bei der kampfkraftbestimmenden Bewaffnung durch die UdSSR (Panzer, Flugzeuge) und die ungenügenden Ersatzteillieferungen. In der DDR gebaute Kriegsschiffe galten zwar als Spitzenprodukte, wurden aber von den Partnern nicht gekauft. Besonders kompliziert wurde es im dritten Jahrzehnt des Paktes politisch-inhaltlich durch die Auswirkungen des XXVII. Parteitags der KPdSU, auf dem Gorbatschow das Zurücktreten der verstärkten militärischen Anstrengungen hinter die politischen und besonders ökonomischen Erfordernisse zur Maxime machte. Selbst Parität sei in der aktuellen militärisch-strategischen Situation kein Garant der Kriegsverhütung mehr. Das Kriegsbild wurde immer mehr ausschließlich von Verteidigung bestimmt. 1986 beschloss die Budapester Tagung des PBA die in vieler Hinsicht einseitige Reduzierung der Streitkräfte und der konventionellen Rüstungen, was von Teilen der sowjetischen Generalität - von Gorbatschow als gefahrliehe Opposition bald zerschlagen – als offener Verrat angesehen wurde. Neuer Kurs: "Die Streitkräfte werden auf dem Niveau der Hinlänglichkeit zur Verteidigung gehalten" (Armeegeneral Luschew 1989). Der Oberkommandierende der Vereinten Streitkräfte nahm kaum noch Einfluss auf das Geschehen. Auch die DDR-Führung übte sich in Ignoranz angesichts der inneren Entwicklung in den Paktländern.
Ein problematisches partiell innenpolitisches Feld stellten folgende Probleme für die DDR-Seite dar: die GSSD als Verbündeter und gleichzeitig faktische Besatzungstruppe ("offene" Fragen der Stationierungskosten und -bedingungen; abkommenswidrige Befugnisüberschreitungen; laut Minow imperiales Verhalten bei "besonderen Vorkommnissen"; Luftraumverletzungen; Manöverschäden) und die SDAG Wismut (Liefer- und Zahlungsbedingungen)- insgesamt Konfliktstoff, der 1988 sogar den Nationalen Verteidigungsrat unter Vorsitz Erich Honeckers beschäftigen musste. All diese Gegebenheiten sollten aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Paktorganisation insgesamt und viele tausend Soldaten ihrer Mitgliedstaatenjahrzehntelang den Frieden in Europa und in der Welt sicherten.

Quelle:  Militärgeschichtlichen Zeitschrift | 2/2012Dr. Rüdiger Wenzke, Wissenschaftlicher Direktor und Historiker am MGFA Potsdam
Fritz Minow, Die NVA und Volksmarine in den Vereinten Streitkräften. Geheimnisse der Warschauer Vertragsorganisation, Friedland: Steffen 2011, 472 S., EUR 19,95 [ISBN 978-3-942477-07-9]
Ralph-Ingo Unger, Grenzbrigade Küste. Der seeseitige Schutz der DDR Berlin: Militärverlag 2011, 223 S., EUR 14,95 [ISBN 978-3-360-02707-8]
Die historiografische Erforschung der Warschauer Vertragsorganisation, allgemein »Warschauer Pakt« genannt, konnte in den letzten Jahren beträchtliche Fortschritte verzeichnen, obwohl die einschlägigen russischen Archive nach wie vor verschlossen sind. Neue Erkenntnisse zur Geschichte und Entwicklung der ehemaligen sozialistischen Militärkoalition finden sich nicht nur in verschiedenen in- und ausländischen wissenschaftlichen Publikationen. Wichtige Dokumente des Paktes können inzwischen auch im Internet nachgelesen werden. Dennoch bleiben bis heute viele Fragen zum Warschauer Vertrag offen. Erstmals hat nunmehr ein ehemaliger Angehöriger der DDR-Volksarmee den Versuch unternommen, sich in einer wissenschaftlichen Monografie mit der Warschauer Vertragsorganisation und der Rolle der Nationalen Volksarmee (NVA) in diesem Bündnis umfassend auseinanderzusetzen. Der frühere DDR-Marineoffizier Fritz Minow, der bereits in der Vergangenheit mit historischen Arbeiten über die DDR-Volksmarine hervorgetreten ist, hat deutsche und russische Akten akribisch ausgewertet, Fachliteratur gelesen, Zeitzeugen befragt und auch persönliche Erkenntnisse und Erfahrungen einfließen lassen, die er während seines militärischen Dienstes im Stab der Vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrages in Moskau von 1969 bis 1974 und danach im Stab der DDR-Volksmarine gewinnen konnte. Herausgekommen ist ein fachkundig geschriebenes Werk, dessen Haupttitel zwar etwas holprig klingt, das jedoch inhaltlich mit einem hohen Informationswert und großer Sachlichkeit punkten kann. In den ersten beiden Kapiteln wendet sich der Autor der Entstehung und Funktion des Warschauer Paktes sowie dessen Strukturen und militärischen Organen zu. Ausführlich und strikt an Dokumente orientiert schildert Fritz Minow – stets mit Blick auf die DDR und die NVA- unter anderem den Abschluss des Vertrages 1955 in Warschau und die ersten Zusammenkünfte der Führungen der Mitgliedsstaaten, Initiativen der DDR zur Verbesserung der Funktion des Bündnisses in den 1960er Jahren und schließlich die Einführung der neuen Militärdoktrin 1987. Bekanntes wird hier, wie auch in den folgenden Kapiteln, mit neuen Fakten und Sichtweisen verknüpft. Das gilt auch für die Ausführungen des Autors zu den einzelnen Organisationselementen des Bündnisses, unter denen sich auch ein Abschnitt zum Haushaltsplan des Vereinten Kommandos befindet. Ungewöhnlich ist freilich der jeweils neu beginnende chronologische Aufbau der einzelnen Kapitel, der den Lesefluss im Band immer wieder unterbricht und Redundanzen befördert. Dies betrifft im Wesentlichen auch die nächsten vier Kapitel, die sich mit der Einbindung der NVA in die Vereinten Streitkräfte der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages befassen. Dabei geht es um militärische Planungen für den Kriegsfall, die Vorbereitung des DDR-Territoriums als Kriegsschauplatz, Fragen der Mobilmachung sowie um die Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien. Eine Stärke des Autors zeigt sich in diesem Kontext zweifellos in der detaillierten Beschreibung und Analyse der für den Pakt und die NVA relevanten Manöver und Übungen. So verweist er besonders auf den Stellenwert der sowjetischen Manöverserie »SAPAD« (»Westen«), die in der hiesigen Forschung bisher kaum untersucht wurde. »Ihre Erkenntnisse waren richtungsweisend für die operative Planung. Sie wurden sowohl in den VSK [Vereinten Streitkräften] als auch vor der Öffentlichkeit streng geheim gehalten, waren nicht im Plan der gemeinsamen Maßnahmen der VSK enthalten und sind noch bis heute weitestgehend unbekannt« (S. 198). Die NVA-Führung wurde 1963 erstmals in ein Kriegsspiel der »SAP AD«-Serie einbezogen. Fritz Minow gelingt es auch in den letzten drei Kapiteln seines Buches, den Leser mit einer genauen Dokumentenauswertung und großer Fachkenntnis zu beeindrucken. Nach einer relativ kurzen Darstellung der Rolle und Entwicklung der sowjetischen Truppen in der DDR beschreibt der Autor den Aufbau und die Genese der ostdeutschen Marine zu modernen Seestreitkräften sowie ihre Aufgaben im Rahmen der Vereinten Ostseeflotte des Paktes. Der Band endet mit einem Anhang, der aus einigen faksimilierten Dokumenten und einer Zusammenstellung der rund 170 Manöver und Übungen der Vereinten Streitkräfte in der »Westrichtung « für den Zeitraum vom Juni 1956 bis zum August 1990 (S. 394-397) besteht. Zahlreiche Fotos, darunter viele Erstveröffentlichungen, ergänzen den Text. Insgesamt bleibt festzuhalten: Wer sich künftig mit Fragen der Einbindung der NVA in den Warschauer Pakt oder mit militärischen Problemen des bis 1991 bestehenden, sowjetisch dominierten sozialistischen Militärbündnisses beschäftigen will, ist gut beraten, die überaus informative und zudem wohltuend sachliche Arbeit von Fritz Minow im Bücherregal stehen zu haben. Während Minows Buch für die wissenschaftliche Arbeit empfohlen werden kann und der Militärreihe des Friedländer Steffen Verlages alle Ehre macht, verhält es sich mit der vorliegenden Publikation aus dem Berliner Militärverlag leider ganz anders. Zwar war auch hier ein »Insider« am Werke- der Autor Ralph-Ingo Unger gehörte von 1970 bis 1990 den Grenztruppen der DDR an und brachte es dort bis zum Korvettenkapitän-, jedoch gelingt es diesem nicht, dem Leser ein informatives Bild über den Gegenstand des Buches, hier die Grenzbrigade Küste, zu vermitteln. Dies ist umso bedauerlicher, da kenntnisreiche Darstellungen über diesen spezifischen Teil der DDR-Grenztruppen tatsächlich fehlen und dadurch bis heute ein großer Informationsbedarf besteht. Die 6. Grenzbrigade Küste hatte seit ihrer Bildung im November 1961 die Aufgabe, die Küste der DDR sowohl seeseitig als auch landseitig zu sichern. Dies erfolgte durch Schiffe und Boote sowie durch bewaffnete Posten, Beobachtungstürme und Grenzsperranlagen an Land. Insgesamt zählte sie rund 2500 Mann. Strukturell gehörte die Brigade zu den Grenztruppen der DDR, operativ war sie dem Chef der Volksmarine unterstellt. Sie war ein Teil des unmenschlichen DDR-Grenzregimes. Wer nun erwartet hat, in Ungers Buch dazu oder zur Ausbildung, zur Erziehung, zum Einsatz, zum Personal, zum Alltag oder zu den Dienst- und Lebensbedingungen der Angehörigen der Grenzbrigade irgendetwas Konkretes oder gar Neues zu erfahren, wird enttäuscht. Denn von den rund 200 Seiten des Buches befassen sich nur relativ wenige Seiten wirklich mit der Grenzbrigade, ihrer Geschichte und Entwicklung. Stattdessen rekapituliert der Autor in einer eigenwilligen Sicht die allgemein bekannte Geschichte der Grenzpolizei bis 1961 und versucht sich zudem über vierzig Seiten hinweg an einer pseudohistorischen Abhandlung über den Kalten Krieg und die »militärische Bedrohung der DDR«. Darin finden sich dann solche Aussagen, dass das Ende des Kalten Krieges nur eine Lebenslüge des Westens sei, denn der Kalte Krieg gehe »gegen Volksgruppen und bestimmte Staaten unvermindert« weiter (S. 53). Der zweite Teil der Publikation enthält verschiedene Zusammenstellungen. Hier werden dem Leser Angaben zur Dislozierung der Einheiten der Grenzbrigade, freilich nur aus den 1980er Jahren, Aufstellungen von Schiffen und Booten und deren Einsatzorten und eine Zeittafel angeboten. Der sich daran anschließende Anhang ist dann so dilettantisch zusammengestellt wie das ganze Buch geschrieben ist. So soll ein bereits anderorts veröffentlichter Beitrag des letzten Chefs der NVA-Truppenluftabwehr [sie!], der rein gar nichts mit der Grenzbrigade Küste zu tun hatte, im vorliegenden Band »exemplarisch für die Abwicklung der DDR-Streitkräfte « (S. 171) stehen. Letztlich ist es schade, dass ein wichtiges Thema der DDR-Militärgeschichte so unprofessionell dargestellt wurde. Noch unverständlicher ist es aber, dass der Verlag das Buch in dieser Form veröffentlicht hat.
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Quelle: Kameraden | Dezember 2011 | H.-G. Löffler, Gen. a.D.
Geheimnisse des Warschauer Paktes
Der Autor ist durch seine Tätigkeit im Stab der Vereinten Streitkräfte  in Moskau (1969-197 4) und im Kdo der Volksmarine in Rostock (197 4-1990) ein glaubwürdiger Zeitzeuge. Er wertete eine ... Vielzahl von Dokumenten aus, analysierte Militärliteratur und interviewte Zeitzeugen. Auch den Rezensenten. Durch die umfangreichen Recherchen ist ein Abbild eines Militärbündnisses entstanden, dessen Einheit von seiner Gründung 1955 bis zur Auflösung am 1.7.91 nie über die internen Auseinandersetzungen um nationale Interessen, Einflusssphären und Eigendarstellung hinwegtäuschen konnte. Diffizil war die Situation bis zum letzten Tag vor allem für die DDR. Denn der "große Bruder" wusste, dass die Existenz der DDR nur im Bündnis mit der SU möglich ist (und es gab noch Altlasten-der 2. WK). Die Rolle der NVA wird anhand einschlägiger Geheimdokumente beschrieben. Beachtung fand dabei die Umsetzung der militärischen Planungen des Generalstabes der Streitkräfte der SU zur Führung der Vereinten Streitkräfte im Falle eines Krieges im einheitlichen System der Luftverteidigung und im Einsatz der Volksmarine, als 3. Flotte der Vereinten Ostseeflotte, aber ebenso zur Vorbereitung des Territoriums der DDR als möglichen Kriegsschauplatz. Die Gliederung dieses historischen Buches in neun Kapiteln orientiert auf die Entwicklung der Warschau-er Vertragsorganisation am Beispiel der DDR und der NVA. So werden im Kapitel V die Ausformung eines notwendigen Kriegsbildes, Organisation der Kriegsbereitschaft der Streitkräfte und die Erprobung sowj. Einsatzplanungen im Verlaufe von Manövern und Stabsübungen beschrieben. Kapitel VII vermittelt dem Leser sensible Details über die sowj. Streitkräfte in Deutschland. Gut dargestellt ist das Wirken sowj. Militärberater und Spezialisten. Richtig ist die Auffassung des Autors, dass sowj. Militärspezialisten im Zusammenhang mit der Einführung neuester Militärtechnik willkommen waren, aber Berater von der Div. bis ins Ministerium für Nationale Verteidigung waren mehr Kontrolleure als Helfer. Weil ca. 4.900 Offiziere der NVA sowj. Militär-Lehreinrichtung absolvierten, davon 283 die Akademie des Generalstabes in Moskau. Hinzu kommen noch die Offiziere, die an der Militärakademie der NVA in Dresden ausgebildet wurden. Aufschlussreich ist in diesem Kapitel die Darstellung der gemeinsamen Einsatzplanung im Oberkommando der GSSD in Wünsdorf bei Berlin. Umfangreich ist der Anhang, eine Fundgrube für Historiker, besonders die Nennung von Manövern, operativ-strategischen und operativen Übungen der Vereinten Streitkräfte in Westrichtung von 1957 bis 1990. Wegen der vielen Abkürzungen im Text, wäre es ' zweckmäßig, das Buch mit einem Abkürzungsverzeichnis zu ergänzen.
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Quelle: df | OsteeZeitung | 07.11.2011
Bündnis im Zwielicht
Als im Mai 1955 der Warschauer Vertrag als Antwort auf Pariser Verträge und Nato ratifiziert wurde, gab es in der DDR schon eine Marine. Wie diese in kurzer Zeit von einer reinen Küstenverteidigungsflotte zur 3. Flotte der Vereinten Ostseeflotte entwickelt wurde, die zu Offensivhandlungen fähig war, legt Fritz Minow eindrucksvoll auf mehr als 400 Seiten dar. Obwohl die Geheimarchive in Moskau noch verschlossen sind, förderte der Autor Erstaunliches über NVA und Volksmarine zu Tage.
Dass Einsatzplanungen, Befehlsgebung, Strukturen und Bewaffnung fest in der Hand sowjetischer Marschälle und Admirale sowie des Ersten Sekretärs der KPdSU lagen, ist nun wissenschaftlich belegt. Es gab weder Gleichberechtigung der Verbündeten noch ein integriertes Oberkommando. Minows Dokumentation schließt eine Lücke in allen Rückblicken auf NVA und Volksmarine.
 
Quelle: Hans Mehl | Schiff und Zeit, Nr. 74
Fritz Minow: Die NVA und Volksmarine in den Vereinten Streitkräften
Obwohl über die Teilstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR und auch über die einiger anderer Ostblockstaaten Veröffentlichungen in Form von Sachbüchern, Studien oder Chroniken bereits vorliegen, war die vom Autor jetzt vorgelegte Untersuchung zur Rolle und Bedeutung der NVA und ihrer Marine in den Vereinten Streitkräften (VSK) lange überfällig. Der Autor, von 1969 bis 1974 selbst Mitarbeiter im Stab der VSK in Moskau und ab 1983 zugehörig zum Auffüllbestand des Oberkommandos der „Westrichtung“ hat sich der Mühe unterzogen, tausende Dokumente wie auch einst geheime Be- und Entschlüsse in verschiedenen Sprachen zu analysieren, Zeitzeugen für Einblicke und Wertungen zu nutzen umso das wohl bisher umfassenste Bild des Warschauer Militärbündnisses nach zu zeichnen.
In der ersten Hälfte dieser Untersuchung erfährt der Leser Einzelheiten über Einflüsse, Beschlüsse und Rahmenbedingungen die zur Aufnahme der NVA und ihrer Marine in die VSK als anfänglich nur sicherstellende Einheiten führte bis hin zur Entwicklung einer operativen Armee (3. Armee) und eines Armeekorps für den Einsatz in „Fronten“ und Stoßrichtungen. Der weniger mit der Materie Vertraute wird an den wichtigsten Führungsstrukturen des Vertragsbündnisses erkennen (Politisch Beratender Ausschuss, Komitee der Verteidigungsminister, Militärrat der VSK und deren Oberkommandierender u.a.), das alle wichtigen Beschlüsse und „Empfehlungen“ von den politischen Eliten der Teilnehmerstaaten gefasst wurden und jede demokratische Kontrolle oder Einflussnahme ausgeschlossen war. Die dabei zu erkennende Dominanz der Sowjetunion einschließlich der in der DDR eingesetzten 317 Militärberater wird überzeugend dargestellt.
Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Kapitel dieser Darstellung die Annahme (und wohl auch die Angst) das die als aggressiv und revanchistisch (Bundeswehr) eingeschätzte NATO sozusagen täglich aus dem Halt die DDR und die anderen sozialistischen Staaten überfallen könnte. Die Folge waren bis zum Schluss immer wiederkehrende Forderungen nach Erhöhung der Gefechtsbereitschaft die letztlich in der Einführung des „Gefechtsdienstes“ mit Vergatterung gipfelten (Bei der Marine ständig mit scharfen Raketen und Torpedos ausgerüstete Einheiten). Bei den vom Autor gebotenen Analysen von wichtigen Beschlüssen und Auswertungen von Manövern im Zeitraum von 1957 bis 1990 führten die VSK allein in der „Westrichtung“ 168 Manöver und Kommando-Stabsübungen durch spiegelt sich aus heutiger Sicht eine förmliche Kriegspsychose wieder. Da ist von Kriegsvorbereitung, Kriegslage, Kriegsstruktur und Einrichtung der DDR als Kriegsschauplatz die Rede, wohlgemerkt, alles mit Dokumenten belegt. Bei den durchgeführten Manövern mit Kriegslagen hier wurde immer eine Aggression der NATO vorausgesetzt erfährt der Leser auch erschreckende Angaben zum geplanten Einsatz von Kernwaffen (Anzahl, TNT-Sprengkraft). Insgesamt 65 „Schutzbauten“ (Bunker) sollten in der DDR das Überleben der politischen und militärischen Führungskader sichern, wie es den Menschen und Soldaten an der Erdoberfläche ergangen wäre kann sich jeder Leser selbst ausmalen.
Im zweiten Teil seiner Arbeit befasst sich Minow ausführlich mit der Entwicklung der Seestreitkräfte (SSK) der NVA und deren Einbindung in die VSK des Militärbündnisses. Der Leser erfährt Planungen für die vorgegebenen Schiffstypen, Maßnahmen zur kontinuierlichen Erhöhung der Schlagkraft (Formierung von „Stoßkräften“) wie auch die Inhalte erster Flottenübungen. Obwohl in den frühen Planungen die Einführung von Landungsschiffen nicht vorgesehen war erfährt der Leser im Detail wie später mit DDR-Landungskräften die Einnahme der dänischen Inseln zusammen mit polnischen Landungskräften vorgesehen war. Auch zu weiteren Planungen, z.B. für Zerstörer, U-Boote, Raketenboote und Küstenraketen wie auch zur Forderung der sowjetischen Seite zum Aufbau einer Marineinfanterie macht Minow Angaben. Wie im ersten Teil des Buches analysiert der Autor unter Nutzung aller in Frage kommenden Dokumente auch hier die Maßnahmen der Volksmarine zur ständigen Erhöhung der Gefechtsbereitschaft, die Bildung der Vereinten Ostseeflotte wie auch (fast) alle durchgeführten Manöver und Flottenübungen.
Ohne Zweifel haben viele Beteiligte, und das vermutlich auf beiden Seiten, lange Zeit daran geglaubt, mit ihrem Einsatz im Rahmen des militärischen Gleichgewichts den Frieden in der Welt zu erhalten selbst wenn einige Andersdenkende das den Streitkräften des Warschauer Vertrages nicht zu gestehen. Wer sich über alle wichtigen militärpolitischen und militärischen Ereignisse und Entwicklungen im Rahmen des Warschauer Vertragsbündnisses während der Zeit des Kalten Krieges umfassend informieren möchte, dem sei diese Untersuchung wärmstens empfohlen.
 
Quelle: Dr. Stavorinus | November 2011
Fritz Minow, Die NVA und die Volksmarine m den Vereinten Streitkräften
In den umfangreichen Veröffentlichungen zur Geschichte der NVA und der Volksmarine, hat bisher eine gründliche Aufarbeitung ihrer Rolle in der Warschauer Vertragsorganisation gefehlt. Der Autor, durch Ausbildung und Verwendung im Stab der Vereinten Streitkräfte (VSK) mit dem Gegenstand seiner Analyse vertraut, lüftet das Geheimnis um den Einsatz der NVA in Krieg und Frieden unter Führung der Sowjetarmee in der ersten Strategischen Staffel der Westfront. Er bezieht sein Wissen aus den Archiven der DDR, dem Staatsarchiv für Wirtschaft der Russischen Föderation, aber ohne Zugang zum Militärarchiv der Roten Armee.
Mit dem einst streng geheimen Material der Partei- und Staatsführung und des Ministeriums für Nationale Verteidigung, über die Kontakte mit der sowjetischen Führungsmacht und den anderen Bündnisstaaten, wird das propagandistisch überhöhte Bild der gewaltigen Militärmacht des Warschauer Pakts entzaubert.
Seine Organe und ihre Rolle bei der Willensbildung sowie die Umsetzung der Beschlüsse, werden ebenso ausführlich behandelt, wie die Bemühungen um die Schaffung eines Führungsorgans für den Oberkommandierenden, stets ein sowjetischer Militär, in dem die Vertreter der anderen Armeen die Rolle von Juniorpartner spielten.
In der DDR fielen alle Entscheidungen zu Militärfragen in einem kleinen Kreis von Mitgliedern des Politbüros der SED und ausgewählten Offizieren im Hauptstab der NVA. (Den Generalstab hatten die Alliierten im Potsdamer Abkommen verboten.)
Die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt stabilisierte die Rolle der DDR als Staatsgebilde und regulierte die Macht der  sowjetischen Besatzungstruppen auf dem Territorium der DDR.
Die Umsetzung kollektiver Beschlüsse verzögerte sich oft jahrelang. Ein besonders schwieriger Vertragspartner war die Rumänische Volksrepublik. Belastungen und Irritationen waren die Folge der Strafexpeditionen gegen Ungarn und die CSSR. Ihr entkam Polen durch die Ausrufung des Kriegsrechts. Die Machtwechsel in der Sowjetführung und daraus jeweils folgenden Änderungen der Militärdoktrin und der Strategie forderten von den Vertragspartnern Anpassung, verbunden mit materiellem Aufwand und erheblichem Aufklärungsbedarf. Die Krisen um Berlin, der Mauerbau sowie der Konflikt in der Karibik, förderten die militärischen Integrationsbemühungen.
Die Koordination der Rüstungsindustrie und die Bedarfsdeckung mit modernen Waffensystemen aus der nationalen Industrie konnte nie ausreichend gewährleistet werden. Der Import aus der Sowjetunion erwies sich als günstige Alternative, wenn auch mit Verzögerungen und Erzeugnissen des vorletzten Musters realisiert. Die Mitgliedstaaten verfügten nur über „Rüstungsinseln“ und die ökonomische Leistungskraft aller Mitgliedsstaaten erreichte bei den explosionsartig gestiegenen Kosten für moderne Waffen ihre Grenzen. (Ein T-72 kostete so viel wie 10 T-34.)
Dem Oberbefehlshaber der VSK und seinem Stab oblag die Organisation der Partnerstreitkräfte in einem multinationalen Bündnis, die Festlegung der militärischen Ziele (nach den Vorgaben des sowjetischen Generalstabs) die Ausarbeitung von Vorschriften für die Ausbildung sowie für die Mobilmachung und Gefechtsbereitschaft mit stetig wachsenden Ansprüchen. Schwierig war die Organisation einer verbundenen Luftverteidigung, die in der DDR durch Alliierte Abkommen tangiert wurde. Weniger problematisch erwies sich die Formierung der Vereinten Ostseeflotte. Sie kam unter den Befehl des Chefs der Baltischen Rotbannerflotte und seines Stabes.
Die Anpassung der Ausrüstung der Partnerstreitkräfte an den der Sowjetarmee gelang nur selten, am besten in der NVA. Es gelang auch, nach langer Anlaufzeit, stabile Kommunikationsverfahren zu etablieren und ein System von geschützten Führungsstellen, eine militärische Infrastruktur sowie eine Vorratswirtschaft für 90 Tage aufzubauen. Führungsmethoden und deren praktische Umsetzung bei Stabsübungen und gelegentlich in aufwendigen Manövern mit großem Propagandawert, zeigten eine stetig wachsende Verbesserung in den gemeinsamen Anstrengungen. Wie es aber im Krieg aussehen würde, das wusste nur der Generalstab der Sowjetarmee, der auch die Führung der VSK übernommen hätte. Die maritim orientierten Leser wird die Rolle der Volksmarine im Warschauer Pakt interessieren. In zwei Schlusskapiteln beschäftigt sich der Autor damit ausführlich. Als Polizeiformation auf Befehl der Besatzungsmacht ab 1949 entstanden, mit Beratern und Militärspezialisten an der Seite, hatte sie später Führungskräfte, die sowjetische Marineschulen und -akademien absolviert hatten. Sie brachten die sowjetische Militärwissenschaft, die Sprache und die Stabskultur der Führungsmacht nach Deutschland. Darüber hinaus kannten sie sich mit der Mentalität ihrer Waffenbrüder aus.
Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich die Volksmarine mit den Schiffen und Waffen der vierten Generation zu einer beachtlichen Koalitionsflotte in der Vereinten Ostseeflotte. Als 3. Flotte stellte sie die Angriffsspitze in der südwestlichen Ostsee dar. Ihr Auftrag bestand in der Deckung der Küstenfront, in der Erringung der Seeherrschaft in diesem Seegebiet, in der Unterstützung bei der Besetzung der dänischen Inselgruppe und der Sicherung der Verlegung der Baltischen Flotte in die Nordsee und in den Atlantik. Die Volksmarine sollte bei der Einnahme der westdeutschen Ostseeküstenhäfen aktiv werden, Minensperren legen und räumen sowie Vorkehrungen treffen, um den Nord-Ostseekanal schiffbar zu machen und einen Marinestützpunkt an der Deutschen Bucht einzurichten, Dabei wurde mit Verlusten von 40%+ gerechnet. In einem Kernwaffenkrieg wäre die gesamte Küstenregion verwüstet und die Flotte vernichtet worden. Diese Feststellung hat Admiral Theodor Hoffmann als Stabschef der VM seinem Vorgesetzten vorgetragen. Es hätte keine Sieger gegeben.
Die unter Gorbatschow eingeleitete Wende zu einer Verteidigungsstrategie fand bei den alten Militärs wenig Anklang. Erst eine radikale Veränderung in der Militärführung erlaubte die Umsetzung dieser Politik. Den Weg dorthin beschreibt der Autor sachlich und kenntnisreich. Dieses Buch kann man allen Militärwissenschaftlern und auch interessierten Laien als wichtigen Beitrag zur Militärgeschichte der Nachkriegszeit im anderen Deutschland sehr empfehlen. Dem Verlag muss man für die Aufnahme des Buches in sein Programm danken.
 
Quelle: Martin Kunze | 12.09.11 | Internetplattform "forum nva"
Die NVA im Griff eines Vertrages, dessen Partner nur selten im Gleichschritt marschierten.
Die im Verlauf der letzten Jahre umfangreich zur NVA erschienenen Schriften werden mit dem vorliegenden Band um ein ebenso wichtiges wie für die Gesamtdarstellung der NVA notwendiges Buch bereichert. Denn: Der Autor, Kpt. z. S. a .D. Fritz Minow, schreibt als erster Insider, aus Sicht eines ehemaligen aktiven Militärs aus dem „Osten“, umfassend zu einem Thema, das bisher vorwiegend aus „westlicher“ Sicht beschrieben und bewertet wurde. Und er schreibt so, dass der Leser von Umfang und Brisanz der dargestellten Fakten und Zusammenhänge gepackt wird, dass selbst der Langgediente sich wieder und wieder die Frage stellt: War es tatsächlich so, habe ich es ähnlich gesehen, habe ich es übersehen , habe ich es nicht gewusst - oder einfach nur verdrängt?
Die Organisation des Warschauer Vertrages galt in der Öffentlichkeit stets als ein Bündnis brüderlich verbundener, einander gleichgestellter und gleichberechtigter Staaten. Der Autor lässt die Entstehungsgeschichte des Vertrages systematisch Revue passieren, schildert die langsame Einbeziehung der NVA in den Pakt und deren immer stärkere, unlösbare Bindung an denselben.
Aus tausenden akribisch ausgewerteten, zum größten Teil ehemals geheimen sowie GKdos- und Regierungsdokumenten, aus umfangreich analysierter Militärliteratur und aus Berichten von Zeitzeugen lässt der ehemalige stellvertretende Leiter der Abteilung Seestreitkräfte im Stab der Vereinten Streitkräfte ein Bild des Vertrages entstehen, welches sich deutlich von jenem unterscheidet,
das in der militärischen und öffentlichen Literatur, erst recht in der politischen Schulung und  der GWW der Armeeangehörigen, erläutert  und dargestellt wurde.
Minow nennt einfach Fakten, überlässt es dem Leser, sich daraus ein eigenes Bild zu machen. Und dabei erkennt er alsbald, wie sehr das komplizierte Zusammenwirkern (oder eben dessen Fehlen) von Partei –und Regierungsbeschlüssen, militärischen Erfordernissen und Befehlen sowie ökonomischen Zwängen der offiziell eng verbundenen Staaten die Entwicklung, Produktion, Zuführung und Vereinheitlichung und selbst die Instandsetzung von Waffen und Technik behinderten, Entscheidungen für Instruktionen aller Art lähmten und damit zu Differenzen in den Ansichten zu Ausbildung und Truppeneinsatz führten. Mit der präzisen Darstellung großer und größter Truppenübungen, hervorgerufen durch scheinbar aggressive Manöver „westlicher“ Truppen oder auf eigenen Entschluss, führt der Autor den Leser zu dem Punkt, an dem er erkennt: Ein Krieg zwischen den Systemen wäre undurchführbar – oder selbstmörderisch -  gewesen. Wohl zum ersten Male beschreibt ein Autor mit der Darstellung des von der Sowjetarmee wiederholt durchgeführten operativ-strategischen Manövers „Sapad“ den nahezu unglaublichen Umfang dieser Übung und die bei einer realen Umsetzung der Manöveraufgaben, also im Krieg, entstehenden möglichen tödlichen Folgen in ganzem Umfang. Er nennt die dabei beim Angriff der “westlichen“ Truppen angenommene Anwendung von 1.080 Kernwaffen auf die Fronten und das Territorium der „Östlichen“, führt auf, dass durch den entstandenen Kernwaffengegenschlag beidseitig nur noch 36% der Verbände kampffähig blieben, was heißt, dass hunderttausende Soldaten fielen, und lässt das Manöver mit der „Entschlussfassung der Befehlshaber zur Fortführung der Angriffsoperationen“ ausklingen. Die selbstverständlich dabei vorkommenden Millionen toter Zivilisten werden im Manöverbericht und folglich im Buch nicht erwähnt. Das ist nicht Schuld des Autors. Übungsdenken jener Jahre eben. Er zitiert den MfNV der DDR aus dem Jahre 1977, der richtig sagte:“…Kernwaffen dürfen niemals eingesetzt werden“. Schlussfolgerungen daraus konnte der hier Schreibende bis zum eigenen  Dienstende Mitte der 80er Jahre nicht bemerken. Der Leser jedenfalls erkennt den ganzen, abenteuerlichen Umfang und die vernichtende Wirkung der Planungen jener Zeit. Und das ist die zweite Lehre dieses Buches: Ganz gleich, wie stark die Differenzen zwischen einzelnen Staaten des Bündnisse waren, wie viele davon „unterwegs“ schon ausstiegen: Die DDR und ihre NVA waren immer mittendrin, waren Bestandteil der Westfront, der ersten Staffel der VSK, ob im Angriff oder, ab 1987, „nur“ noch in der Verteidigung. Und sie erfüllten, wohl als einzige, immer und bis zum letzten Tage ihre im Bündnis übernommenen Pflichten.
Auf 470 Seiten, mit zahlreichen Bildern, 36 Seiten Anmerkungen und zahllosen genannten Quellen lässt der ehemalige Stabsoffizier der VSK ein atemberaubendes, reales, sachlich begründetes Bild der Geschichte des Warschauer Vertrages und der Einbeziehung der NVA und ihrer Flotte in den Pakt entstehen.
Das Buch sollte man gelesen haben. Es könnte zum Standardwerk dieses Themas werden.

Quelle: Dr. Adolf Feil | bisher unveröffentlicht
Die Nationale Volksarmee, darunter auch Volksmarine, aber auch Vereinte Streitkräfte samt Warschauer Vertragsorganisation sind Geschichte ...
Nationale Volksarmee, darunter auch Volksmarine, aber auch Vereinte Streitkräfte (VSK) samt Warschauer Vertragsorganisation (WVO) sind Geschichte. Zwei Weltsysteme hatten sich in Europa gegenüber gestanden, von denen beide danach trachteten, das jeweils andere zu überwinden. Sie versuchten dies auf vielen Feldern und bedrohten sich mit starken Streitkräften auch, um den Gegner für gewünschtes politisches Handeln gefügig zu machen, aber vor allem, um ihn vom Großen Krieg als denkbar erscheinender utima ratio seiner Überwindung abzuhalten. Und siehe da, die Lehren des Zweiten Weltkrieges waren so nachhaltig, die Einsichten über die Vernichtungsmöglichkeiten beider Seiten so groß, dass es in Europa 45 Jahre lang, auch solange es NVA und VSK gab, zu keinem Krieg kam. Es wirkte objektiv die gegenseitige Abschreckung und es siegte die diesen Tatbestand reflektierende Vernunft der Politiker beider Systeme. Seither stehen die dahingegangenen DDR-Streitkräfte und das VSK geheißene Bündnis der WVO im starken Interesse nicht nur der Historiker, sondern vor allem auch der Hunderttausende, die in ihnen gedient haben und nach Antworten auf ihre Fragen suchen. Zu der großen Menge von Publikationen zu dem Thema ist jetzt das o.g. Buch hinzugekommen. Minow war Offizier der VM bis zum letzten Tag der DDR. Dass er sich diesem Thema zuwandte, wird auch daran gelegen haben, dass er fünf Jahre lang im so genannten Stab der VSK in Moskau tätig war.
Das Buch beeindruckt zunächst durch seine Fülle. Es umfasst 472 Seiten im sgn. Fast-A4-Format (170 x 240mm), davon 387 Seiten Text sowie einen 85 Seiten langen Anhang. Von diesem Anhang enthalten 33 Seiten Kopien (Ausschnitte) von Briefen, Protokollen, Befehlen, Meldungen und anderen Dokumenten, die Minow durch umfangreiches und akribisch aufgearbeitetes Quellengut erschlossen hat. Die im Textteil und im Anhang reflektierten Dokumente wurden ausgetauscht zwischen der obersten politischen und militärischen Führungsebene der UdSSR und DDR und sind in der Regel als "Geheime Kommandosache" oder „Streng geheim“
ausgezeichnet. Es folgen weitere 46 Seiten Anhang. Dieser enthält das Quellenverzeichnis, Abkürzungs-, Personen-, und allgemeines Literaturverzeichnis.
Das Buch gliedert der Autor in 9 Kapitel, die von Einleitung und Epilog „eingerahmt“ werden.
 
Die Kapitel lauten:
I. Entstehung und Funktion der Warschauer Vertragsorganisation
11. Militärorganisation und militärische Organe des Bündnisses
111. Nationale Volksarmee auf dem Weg in die Vereinten Streitkräfte
IV. Gemeinsam mit den Vereinten Streitkräften der Teilnehmerstaaten
V. Kriegsbild, Kriegsbereitschaft, Kriegsspiele und Kriegsschauplatz
VI. Zusammenarbeit in der Rüstung am Beispiel der DDR
VII. Sowjetarmee in der DDR. Besatzungsmacht und Verbündeter
VIII. Aufbau und Formung der Marine
IX. Formung der Volksmarine zur 3. Flotte einer Vereinten Ostseeflotte
 
Unterpunkte zu den jeweiligen Hauptgliederungspunkten weisen auf verschiedene
Aspekte der Untersuchung hin. Ohne auf einzelne Fragen einzugehen, zeigen die aus den Archiven ans Licht geholten Dokumente doch eindeutig, - dass die Sowjetunion die Führung in allen Fragen des Aufbaus, der Aufgabenstellung,
der Struktur, der Bewaffnung und Ausrüstung der NVA, ihrer Ausbildung und Eingliederung in die VSK nicht nur beanspruchte, sondern auch durchsetzte;
- dass der Nationale Verteidigungsrat der DDR und die NVA-Führung dennoch längst nicht alles Angeordnete (was in späteren Jahren als
„Empfehlung“ daher kam) widerspruchslos entgegennahmen, sondern ihrerseits Forderungen (natürlich als Vorschläge oder Bitten bezeichnet) an die sowjetische Seite richteten, Unzufriedenheit über ausbleibende Lieferungen äußerten und die Nichterfüllung mancher Auflagen eben mit ausgebliebenen Leistungen der UdSSR bzw. mit der mangelnden Leistungsfähigkeit der DDR-Wirtschaft begründeten, - dass dennoch, wenn auch mit mancher Kritik und unter objektiven Schwierigkeiten, auch von der sowjetischen Seite anerkannte achtbare Ergebnisse durch die DDR und die NV A erbracht wurden; - dass ab Mitte der 80er Jahre der wirtschaftliche Niedergang der Sowjetunion und der DDR gleichermaßen zu Einschränkungen und Abstrichen von ursprünglichen Flqnl.Jngen und Vorhaben führten, die aber, weil sich inzwischen die Militärdoktrin der WVO konsequent auf Entspannung umgestellte hatte ( in Abstimmung mit dem Westen), keine sicherheitsrelevanten Folgen hatten. Kurios: Die politische Entspannung brachte mehr militärische Sicherheit bei abnehmender militärischer Potenz, allerdings hatte sie auch den Zusammenbruch der WVO zur Folge.
 
Dr. Minow bezeichnet sein Buch als eine Dokumentation. In der Tat, es ist eine Eigentümlichkeit des Buches, dass es von Fakten - keinem ohne Quellenbeleg - angefüllt, ja ausgefüllt ist. Oder, um es anders auszudrücken, der Autor kommentiert kaum, hält sich mit seiner Meinung zurück. Er tut dies ganz bewusst. So schreibt er bereits in seiner Einleitung: „In der Hoffnung, dass die nachfolgende dokumentarische Darlegung des Themas in diesem Buch dem Anliegen gerecht wurde, die objektive Bewertung eines wichtigen .... Teiles deutscher Militärgeschichte zu erleichtern, wünscht der Autor seinen Lesern eine interessante Lektüre.“
In einer einzigen Zeile seines Buches vergisst er sein ansonsten durchgehaltenes
Prinzip, indem er eine Feststellung trifft, die einer Wertung gleichkommt, nämlich in dem Satz „Es fand sich keine Bestätigung für einen geplanten Kriegsbeginn durch die Warschauer Vertragsstaaten“. Minow beantwortet also nicht die Frage, ob wir - der Rezensent war ebenfalls bis zum Ende der DDR Marineoffizier - die Angehörigen der NV A, zur Friedenserhaltung beigetragen haben. Dass der Autor sich hierzu der Kommentierung enthält, mag von manchem Leser bedauert werden, es überwiegt aber die uneingeschränkte Bilanz, einen historischen Zeitabschnitt der Militärpolitik der DDR in einer Tiefe und Breite aufgezeigt zu haben, wie dies bisher nicht geschehen ist.