Zurück
Vor
Auf den Spuren vom JAKOBSWEG Mecklenburg-Vorpommern
 
 
Michael Priebe, Lars Franke

Auf den Spuren vom JAKOBSWEG Mecklenburg-Vorpommern

Wundervoller Text-Bildband - Auf der Route von Ahlbeck bis Lübeck

176 Seiten, 197 Abbildungen, Festeinband
ISBN 978-3-940101-92-1

24,95 € *
 
 
 
 
 
Ruhe und Besinnung unter Mecklenburg-Vorpommerns weitem Himmel – Fotograf Michael Priebe und Autor Lars Franke pilgerten mit Kamera und Stift versehen entlang des Baltisch-Westfälischen Jakobsweges von Usedom bis über die Landesgrenze hinweg nach Lübeck. In eindrucksvollen Bildern und chevaleresken Texten erschließen sie ein Land, das seit Jahrhunderten sowohl mit einmaligen Naturwundern aufwartet als auch mit monumentalen Kathedralen der Backsteingotik, geschichtsträchtigen Klostergebäuden, Kleinoden der Handwerkskunst. Entstanden ist ein opulenter wie atmosphärischer Bildband über Pilgerorte wie Lassan, Greifswald, Tribsees, Rostock, Wismar oder Lübeck, ein faszinierendes Abbild der befreienden Weiten eines himmlisch anmutigen Landes.
 
Zu den Autoren:
 
Lars Franke wurde 1953 in Karl-Marx-Stadt geboren. Er studierte Journalistik an der Universität Leipzig. Er arbeitete von 1978 bis 1991 als Redakteur beim Fernsehen. Seit 20 Jahren ist der freiberufliche Journalist und Autor vor allem im Nordosten Deutschlands unterwegs.
 
Michael Priebe ist 1954 in Oldenburg geboren und studierte an der Kunsthochschule in Braunschweig. Der Schwerpunkt der fotografischen Arbeit liegt auf der Landschafts- und Architekturfotografie.  
Nähere Informationen zum Fotografen des Text-Bildbandes und zu seinen Werken erhalten Sie unter: www.michaelpriebe.de
 

Weiterführende Links

Weitere Bücher von Michael Priebe, Lars Franke Auf den Merkzettel
 

Verfügbare Downloads

Download Cover
 

Quelle: Bauernzeitung | 4. Woche 2012
Kirchen, Kloster, Backsteingotik
Spätestens seit die rheinische Frohnatur Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg unterwegs war, ist der europäische Pilgerweg den meisten Deutschen ein Begriff. Egal, ob sie der katholischen, der evangelischen Kirche oder gar keinem Glauben angehören. Wandern auf Jakobswegen liegt im Trend – zu Fuß oder per Fahrrad. Zu der bekannten “klassischen” Jakobstour über die Pyrenäen ins westspanische Santiago de Compostela ist in Deutschland ein dichtes Netz von “Zubringern” hinzugekommen, so auch die Via Baltica durch Mecklenburg- Vorpommern. Einst waren hier Pilger aus Pommern, dem Ordensstaat Preußen oder den baltischen Fürstentümern unterwegs. Heute sind es nur wenige, die zu einem Wallfahrtsort pilgern, um Gottes Segen zu erbitten oder um Buße zu tun. Die Mehrheit möchte einfach ein Stück Geschichte erleben, einen interessanten Landstrich kennenlernen und dabei etwas für Körper und Seele tun. Mit Sicherheit hat die Route durch das Hinterland der Ostsee nicht die gleiche Streckenführung wie im Mittelalter. Ab der deutsch-polnischen Grenze bei Swinemünde ist der Weg ausgezeichnet. Mal mehr, mal weniger gut. Als Erstes stößt man auf den Golm. Der “Schicksalsberg” der Insel Usedom erhebt sich um die 70 Meter in den Himmel. Schon in der Bronzezeit besiedelt, ist er nun ein beeindruckender Friedhof. 2000 Tote sind hier bestattet, die am Ende des Zweiten Weltkrieges bei Luftangriffen auf Swinemünde umkamen. Wer einst am Johannistag auf den Golm stieg, also am 24. Juni, konnte mit einer verzauberten Prinzessin und dem Zugang zu unterirdischen Schatzkammern rechnen, so ist überliefert. Eine Wanderstunde vom Golm entfernt empfangen in Zirchow eine Herberge und eine Jakobskirche die Pilger. Das wehrhafte Gotteshaus stammt aus der Zeit um 1280. Abseits des Pfades gibt es ein “grünes Geschichtsdenkmal”. Die mehr als 700 Jahre alte Sockeleiche bei Suckow diente schon anno 1298 zur Grenzvermessung. Ihre Krone hat heute einen Durchmesser von 30 Metern. Bald darauf erreicht der Pilger das Städtchen Usedom – seit 1128 das “Taufbecken” von Pommern, wo am Pfingsttag Otto von Bamberg den Adel des Landes für das Christentum gewann. Als “Pommern-Apostel” soll er im Laufe der Zeit mehr als 23.000 Menschen getauft haben. An das Ereignis erinnert ein Granitkreuz auf dem Schlossberg. Vom Kaminer Hafen aus sind die noch immer imposanten Reste einer einstigen Eisenbahn- Hubbrücke zu sehen. Mit ihren 360 Metern Länge galt sie bis zur Zerstörung Anfang 1945 als eine der modernsten der Welt. Zum Festland geht es über die Zecheriner Brücke, und man erreicht eine Gegend, die vor allem ein Klischee bedient: nämlich, dass in Vorpommern die Uhren langsamer als anderswo ticken. Otto von Bismarck wünschte sich gar, den Weltuntergang in Pommern zu erleben, denn dort versinke die Erde erst 50 Jahre später. Auch in Lassan mit 1500 Einwohnern spielt sich das Leben im Grunde genommen ab wie zu Zeiten der Stadtgründung vor 800 Jahren – zwischen Kirche und Hafen. Noch immer markiert die Johannniskirche aus dem 14. Jahrhundert den südlichen Eckpunkt der Stadt, der Hafen steht für den Lassaner Norden. Kaum eine Haustür gleicht der anderen -ein Andenken an die vielen Tischlerwerkstätten, die es einst in dem Städtchen gab. Am Jakobsweg liegt auch die Klosterruine Eldena. Zwischen1198 und 1210 sollen die Mönche vom zerstörten Kloster Dargun aus zum Südufer des Klostersees gekommen sein. Kreuz und Pflug brachten sie mit, und so wurden Sümpfe entwässert, Felder angelegt, Dämme gebaut. Die Ruinen der einstigen Klosterkirche beeindrucken. Die Ostteile sind spätromanisch, und je weiter man sich dem westlichen Teil nähert, “um so gotischer” wird alles. Ein zauberhaft-romantisches Fleckchen Erde, das den Maler Caspar David Friedrich immer wieder zur Motivsuche anzog. Selbst wenn Stralsund von See aus das schönere Panoramabieten sollte, so steht von der Landseite her die Ansicht auf Greifswald kaum zurück. Vom Jacobsweg aus weithin zu sehen sind die Türme der Nikolaikirche. Als im 15. Jahrhundert die Stadt eine Universität bekam, der Ort zum Bischofssitz wurde, erhob man das Gotteshaus zum Dom. Dem Turm fehlt nur wenig bis zur 100-Meter-Marke. Auch der wuchtige Westturm von St. Marien,die “Dicke Marie”, prägt die Silhouette von Greifswald. Viereinhalb Metermisst das Gemäuer im unteren Teil des Turmes. Auf dem Weg von Grimmen in Richtung Tribsees fällt das Gotteshaus von Kirch Baggendorf aus dem l3. Jahrhundert auf. Einer Legende nach ist es eine von drei Speckin -Kirchen. Ritter Baggus Speckin - berüchtigt als Straßenräuber und Bauernschinder- soll sie errichtet haben. Im Alter überkam ihn die Reue, und er verpflichtete sich zum Kirchenbau. In Tribsees, wo ein Jakobswegaus Stralsund auf die Via Baltica stößt, sollte man sich auch Zeit nehmen für den gotischen “Mühlen-Altar” in der Backsteinkirche St. Thomas. Er ist ein kulturhistorischer Leckerbissen. Nach all den Dörfern und Städtchen führt der Jakobsweg in die Großstadt Rostock. Die Stadtkirche St. Marien verkörpert norddeutsche Backsteingotik in Reinkultur, während die Innenausstattung viele Kunstepochen widerspiegelt. Der Rochus-Altar entstand um 1538. Aus der Renaissance stammt die prächtige Kanzel, der Hochaltarwurde um 1720 in einer Berliner Werkstatt geschaffen. Ein Hingucker ist die astronomische Uhr aus dem Jahre 1472. Nur noch in der Erinnerung älterer Rostocker lebt die einst berühmte Jakobikirche. Im April 1942 fiel das Gebäude einem Bombenangriff zum Opfer. 1947 brachen weitere Teile zusammen. Und als sowjetische Besatzungssoldateneinen nahe gelegenen Bunker sprengten, stürzte die Kirche endgültig ein. Von hier ist es eine knappe Tagestour zu Fuß zum Münster von Bad Doberan, ebenfalls einst ein Zisterzienserkloster. Die Abtei entstand 1186 auf einem Gelände von knapp zwei Quadratkilometern. Teile der ehemals 1400 Meter langen Mauer umgeben das Münster noch heute. Um das Jahr 1200 muss der Rohbau einer romanischen Kirche weitgehend abgeschlossen gewesen sein. Doch als in den Ostseestädten gewaltige gotische Backsteinkirchenentstanden, wollten die Mönche mithalten. Ab 1290 wurde das Gotteshaus wieder abgetragen und mit dem Bau einer dreischiffigen Baslika begonnen. Vorbild war auch hier die Marienkirche zu Lübeck. 70 Jahre zogen sich die Arbeiten hin. Nach der Reformation wurde das Kloster 1552 aufgelöst. Man begann erneut, die Gebäude abzutragen, doch bald befahl Herzog Ulrich von Mecklenburg-Güstrow, den Abriss einzustellen. Der Fürst wollte die Grabeskirche seiner Ahnen erhalten, und so blieben prächtige Grabmale bestehen, wie das von Königin Margarete von Dänemark oder von Schweden-König Albrecht. Auch deshalb werden heute im Münster pro Jahr um die 200000 Besucher gezählt. Über Wismar und die einstige innerdeutsche Grenze kommt der Wanderer nach Lübeck, in das “Haupt der Hanse” – gegründet 1159 von Herzog Heinrich, genannt der Löwe. Der Welfenfürst persönlich soll 1173 den Grundstein zum Dom gelegt haben. Fertiggestellt wurde er um 1230. Enorme 130 Meter lang ist das Kirchenschiff .Schon Jahre zuvor entwickelte sich ein neuer Baustil - die Gotik als “Konkurrenz zu den Kathedralen”. Vor allem die Marienkirche läuft sodann rein optisch dem Dom den Rang ab. Ihre Türme sind 125 Meterhoch, und mit fast40 Meter kommt sie dem höchsten Gewölbe der Welt ziemlich nahe. Das Lübecker Gotteshaus wird im ausgehenden Mittelalter zum Vorbild für den Bau von siebzig Kirchen im Ostseeraum. Mit St. Marienverdeutlichte die reiche Bürgerschaft ihren Freiheitswillen gegenüber allen Fürsten. Mittelalterliche Pilgerwerden sich der gotischen Jakobikirche zugewandt haben. Die Kirche der Seefahrer und Fischer ist die einzige, die den britischen Bombenangriff von 1942 überstanden hat. Man findet dort sogar noch Jakob-Darstellungen am Gestühl neben dem Südeingang, auf Bildern über der Kanzel, in der Brömse-Kapelle und an der Empore. Und wer nun von hier nach Santiago de Compostela aufbrechen will, der hat noch 2000 Kilometer vor sich.

17. Oktober 2013, 19 Uhr
Lesung
Lars Franke
Buchhandlung Görl und das Museum Strasburg, Pfarrstr. 22 a, 17335 Strasburg