Unterwegs: Beim Nachwuchsparlament

Berlin! Berlin? Nein, es ist Leipzig! Ausnahmsweise wurden die Buchtage dieses Jahr in der wunderschönen Buchstadt veranstaltet. Wie im vergangenen Jahr konnten sich Nachwuchskräfte aus Buchhandlungen und Verlagen um die Teilnahme bewerben und gleich zwei unserer Mitarbeiterinnen wurden daraufhin eingeladen. Das Nachwuchsparlament ist für Volontäre, Auszubildende und Studenten der Buchhandels- und Verlagsbranche nicht nur eine tolle Gelegenheit, sich zu vernetzen, es werden auch zahlreiche Workshops und Exkursionen angeboten.


Am Mittwochabend fand sich schon ein Großteil der hundert Nachwuchskräfte im Leipziger Westwerk zusammen und wurde von den Organisatoren herzlich begrüßt. Das Wetter meinte es, wie auch in den darauffolgenden Tagen, sehr gut, sodass die organisierte Kahnfahrt über die weiße Elster eine willkommene Erfrischung bot. Nicht nur der Berliner Nachwuchs bestaunte neidisch die den Fluss säumenden Häuser. So manch einer munkelte auch über die besseren Mietbedingungen in Leipzig – ein Thema, das zwar nicht unbedingt wichtig für das Parlament, dennoch sicher präsent für den Nachwuchs ist. Belebt zurück im Westwerk wurden bereits erste angeregte Gespräche über die kommenden Tage geführt.


Donnerstagmorgen ging es dann richtig los – im Internat des Deutschen Buchhandels wurde neben diversen Workshops und Exkursionen auch zur Versammlung geladen. Nach einer motivierenden Eröffnungsrede der Bildungsdirektorin Monika Kolb-Klausch leiteten die Autorinnen von „We Love Code“ – Natalie Sontopski und Julia Hoffmann – mit einer Key Note zu „Leben und Arbeiten in der digitalen Welt“ in den Fortbildungsteil des Programms über. Es folgten Workshops zu den Themen „Sichtbarkeit digitaler Inhalte“, „Social-Media-Bewerbungen“ und unter dem Titel „Dem Leser auf der Spur“ zu Reader Analytics. Den Impuls aus dem Vorjahr, zum Thema „Meinungsfreiheit“ einen Workshop zu organisieren, hatte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, unter der Prämisse eines Onlineblogs aufgenommen.


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Herzstück der Veranstaltung war die Tagung des Nachwuchsparlaments, in dem die gewählten Nachwuchssprecher Empfehlungen der rund 100 Teilnehmer aufnahmen und in der Hauptversammlung des Börsenvereins vortrugen. Mit sichtlichem Stolz verkündete die Nachwuchssprecherin Ramona Nicklaus, dass in der Hauptversammlung am folgenden Tag über die Aufnahme des Nachwuchsparlaments in die Satzung des Börsenvereins abgestimmt werden sollte. Auch war das Nachwuchsparlament selbst nicht mehr letzter Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung. Weiterhin wurden nun Wünsche und Anmerkungen angenommen. In der darauf folgenden Debatte wurde deutlich, wie groß das Gefälle zwischen Wertschätzung und Wert in der Branche immer noch wahrgenommen wird. Gerechte Bezahlung und Vertragskonditionen sind nach wie vor ein großes Thema, das den Nachwuchs beschäftigt. Hier wurde der Wunsch nach mehr Engagement seitens der Jungen Verlagsmenschen deutlich, aber auch der Handlungsbedarf des Einzelnen wurde diskutiert. Weiterhin sorgten sich Azubis um die Beschulung in Ortsnähe. Vorschläge wie Webinare und andere E-Learning-Angebote wurden aufgenommen und am Folgetag vorgestellt. Eine schöne Idee war die Anregung zum temporären Arbeitsplatztausch zwischen Azubis und Volontären. 


Anschließend wurde von der Theorie in die Praxis gewechselt und es durfte an einer der zahlreichen Exkursionen teilgenommen werden. Die Qual der Wahl bestand zwischen dem Besuch verschiedener Buchhandlungen, der Deutschen Nationalbibliothek, dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) sowie den Verlagen Edition Peters und Spector Books.


Das krönende Ende des Tages bildete die Abendveranstaltung im eigens dafür gemieteten GRASSI Museum. Hier trafen Mitglieder des Börsenvereins auf den Nachwuchs und konnten sich bei leckerem Essen und kühlen Getränken austauschen – und natürlich wird so ein Museum auch genutzt! Wer nach diesem langen Tag noch stehen konnte, durfte an Führungen durch die Ausstellungen des GRASSI Museums oder über den alten Johannisfriedhof im Museumshinterhof teilnehmen. Letzteres mag fürs Erste etwas makaber klingen – tatsächlich liegen dort aber zahlreiche Berühmtheiten wie etwa die Verlegerfamilie Brockhaus oder Anton Philipp Reclam.


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Früher als so manchem lieb, wurde am Freitag zur Hauptversammlung im Haus des Buches gebeten. Der Nachwuchs selbst war zwar nicht stimmberechtigt, durfte aber als stiller Zeuge teilnehmen. Hier wurden neben der Vorstellung des Jahresberichts und Satzungsänderungen auch Impulse aus der Branche aufgenommen, der Vorstand gewählt und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 vergeben – dieses Jahr an die Journalistin Carolin Emcke. Gratulation! Der Nachwuchs fieberte natürlich vor allem der Satzungsänderung bezüglich der Aufnahme des Nachwuchsparlaments entgegen – welcher angenommen wurde. Nun ist das Nachwuchsparlament also ganz offiziell dabei!


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Zügig leitete der Vorstand durch die Tagungspunkte – wohl auch wegen der großen Hitze, was dahingestellt sei – und so endete die Hauptversammlung früher als angesetzt. Nach dem einen oder anderen Plausch flüchteten sich viele mit der Hoffnung auf Erfrischung ins Wochenende. Am Bahnhof noch einmal schnell bei der wunderschönen Bahnhofsbuchhandlung Ludwig vorbeigeschaut und schon ging es wieder zurück nach Berlin. Ein bisschen schade ist es doch, dass die kommenden Buchtage wieder in der Hauptstadt stattfinden werden. Danke, Leipzig, es war schön mit dir!

Mehr zu den Leipziger Buchtagen:
http://www.boersenblatt.net/artikel-nachwuchsparlament_des_boersenvereins.1173069.html
http://www.boersenblatt.net/artikel-.1173904.html
https://buchbranchennachwuchs.wordpress.com/